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Sonntag, 17. Dezember 2017

Geo-Mythologie: Donnersteine

Laut Volksglauben bringt der einschlagende Donner auch die „Donnersteine“ bzw. „Donnerkeile“ mit sich. Die Steine werden als „ähnlich einen Spitzhammer, hinten platt und vorne mit mehreren Spitzen versehen“ und stets „mit Maggen (Dellen) behaftet“. Es handelt sich dabei zumeist um zufällig aufgefunden prähistorische Artefakte oder Fossilien.

 Prähistorische Silex-Abschläge.

Diese Fundstücke waren äußerst begehrt, da sie angeblich von Blitzschlag schützten, der Volkskundler und Sagensammler Johannes Adolf Heyl berichtet in seine „Volkssagen aus Tirol (1897) das „nur zwei Wälschnovener das Glück gehabt haben, einen Thunderstoan zu finden, der alte Tschandl und der alte Kundl. Beide bewahrten ihn wie ein Heiligtum auf.“

Samstag, 2. Dezember 2017

Köcherfliegen und Geologie

Das Verhalten der Larven der Trichoptera, nämlich einen Köcher aus Steinchen oder Pflanzenteilen, zum Schutz ihres weichen Hinterleibs zu bauen, hat dieser Insektengruppe auch den allgemeinen Namen beschert – Köcherfliegen. Weltweit gibt es über 100.000 Arten, in Italien sind 328 Arten dokumentiert. Das für die Köcher verwendete Baumaterial ist teilweise artspezifisch, hängt aber auch von der Verfügbarkeit vor Ort ab.

Limnephilidae. 2cm langes Gehäuse überwiegend aus Glimmerschiefer, einige weiß-graue Quarz- und rötliche Quarzkörner, eingebaut wurden auch einige größere Biotit-Kristalle. Fundort: Flaggertal, in Bachbett mit Geschiebe. Einzugsgebiet mit Glimmerschiefern und Phylliten, große Granit-Intrusion, darunter auch rötliche Granit-Variante.

Limnephilidae. 2cm langes Gehäuse überwiegend aus Glimmerschiefer, einige weiß-graue Quarzkörner. Fundort: Lavant, Auenwald, in Bachbett mit sandig-kiesigen Substrat. Einzugsgebiet mit kristallinen und Sedimentgesteinen. Das Gehäuse zeigt eine leichte Reaktion mit Salzsäure, Hinweis auf karbonatische Anteile. 

Limnephilidae. Gehäuse mit Dolomitkörnern und Rindenstückchen. Fundort: Rautal,  Bachbett mit kiesigen Substrat. Einzugsgebiet in Dolomitengebiet.

Manche Köcherfliegenlarven (Rhyacophila sp. Rhyacophilidae) bauen nur zur Verpuppung einen Köcher, der an größere Steine angeheftet wird.

Sonntag, 19. November 2017

Die Sage vom Teufelsstein

Der Teufelsstein 

Der Sage nach hatten die Mühlwalder Bauern im schönen Pustertal einst den Teufel derart erzürnt, dass dieser Rache schwor. Er trug einen Stein von Lüsen herüber und wollte ihn vom Mutenock nach Mühlwald hinunterrollen lassen. Dazu wählte der Teufel den kürzesten Weg. Weil der Stein aber schwer war und auch ein Teufel einmal rasten muss, hat er seine Kraxe mit dem Stein nieder gestellt. 

Der Teufel trägt einen Felsbrocken um eine böse Tat zu begehen... Tafel nach Johann Melchior Füssli, aus der Nova Helvetiae Tabula Geographica, um 1712, des Johann Jakob Scheuchzers.

In seiner Wut und in seinem Zorn gegen die Mühlwalder hatte er aber nicht bemerkt, dass der Morgen zu grauen begann und dass der Mesner von Terenten - der ein Frühaufsteher war - schon die Betglocke zum Morgengruß läutete. So musste der Teufel den Stein liegen lassen und wieder hinab in die Unterwelt flüchten. So kommt es, dass der „Teufelsstein“ bis heute mitten im Wald auf ca. 1.700 m, oberhalb vom Nunewieser liegt.

Beim Teufelsstein handelt es sich tatsächlich um einen großen Findling, der von den Gletschern aus den nahen Zillertaler Alpen während der letzten Eiszeit hierher verfrachtet wurde. Als die großen Gletscher vor 18.000 Jahren abschmelzen, blieb auch der Gneis-Block liegen, und so liegt er noch heute da.

Die Dolomiten

 Abbildung der Geislergruppe, um 1918.

Hier erblickt der Reisende  zum ersten Male die Berge der Dolomiten, sie fesseln unsere Blick durch das Sonderbare ihrer Formen und das Malerische ihrer Umrisse, durch ihre scharfen Spitzen und Hörner, welche sich zuweilen in der Gestalt von Zinnen und kühnen Obelisken erheben, während andere sich wieder in eingesägten Rücken hinziehen und mit spitzen Zähnen, gleich dem Rachen eines Alligators, besetzt sind. Oft stürzen sie mit mehreren 1000 Fuß hohen Wänden senkrecht in die Täler ab und sind gewöhnlich von zahlreichen, tiefen Klüften durchschnitten. Sie sind vollkommen nackt und von jeder Vegetation entblößt und haben meist eine lichtgelbe oder weißliche Färbung.
Die Dolomitberge bilden eine vollkommenen gegensatz zu allen anderen Gebirgen. Zuweilen nehmen sie die Gestalt von Türmen an, und bei anderen sind die Spitzen so schlank und in solcher Menge zusammengehäuft, daß man unwillkürlich an ein Bündel Bajonette oder Schwertklingen erinnert wird
.“
Handbook for Travellers in Southern Germany“ (1837, Handbuch für Reisende in Süddeutschland)

Die Alpe Stevia im Grödental. Aquarell mit Deckfarben auf Papier, entstanden um 1694.

Farbiger Holzschnitt aus d Buch "The Dolomites" von S.H. Hamer, London 1910.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Die Werfen-Formation

Am Ende des Perms und somit am Ende des Paläozoikums transgredierte das Meer weiter Richtung Westen im Gebiet der heutigen Dolomiten, wobei sich eine große Flachwasserzone bildete mit geringen Tiefen (um die 50 Meter). Es wurden Brekzien, Sande, Mergel, Kalke und Tone abgelagert, im Gegensatz zur Bellerophon-Formation treten Evaporite (Gips) zurück. Die Mächtigkeit der Werfen-Formation schwankt innerhalb der Dolomiten beträchtlich, teilweise kann sie auch durch Erosionsphasen im Ober-Anis gänzlich fehlen, doch beträgt sie im Schnitt zwischen 250-500m Mächtigkeit.


Die Formation wird in neun Members unterteilt, wobei die gesamte Abfolge im Zeitraum des Skyth (7-8 Mio. Jahre) abgelagert wurde, und vier Transgressions-Regressionszyklen erkennen lässt.
  • Tesero-Horizont (1-10m): Es handelt sich um eine Wechselfolge von oolithisch/ bioklastischen grainstones und mudstones/wackestones. Charakteristisch die namengebenden rötlich-orange gefärbten, im Millimeterbereich großen Oolithe.
  • Mazzin-Member (40-50m): Eine Wechselfolge  von grauem, kalkigem mudstone, stark bioturbiert, laminierte kalkige mudstones mit Rippelschichtung und bioklastischem packstone (charakteristisches Muschelschill, sowie Vorhandensein von Ostracoden), sowie siltiger limestone, die als Sturmlagen interpretiert werden. Das Member repräsentiert einen transgressiven Zyklus.
  • Andraz-Horizont (20-25m): Rote und gelbe, fein laminierte kalkige bis tonige Dolomite mit Wellenrippeln.
  • Seis-Member und Gastropoden-Oolith: Ähneln sich stark in der Lithologie, Broglio Loriga, Masetti & Neri unterscheiden in beiden je nach Sandgehalt zwei Lithofazies, graue oder rötliche mudstones und karbonatische Sand- und Schlammabfolgen.

  • Campill-Member (an die 100m): Laminierte rote kalkige siltstones, in Wechsellage mit roten quarzarenitischen 2-5 cm mächtigen Sturmlagen (charakteristische Schillagen) und Sand-dominierter Lithofazies mit einem hohen Glimmeranteil (Hellglimmer). Teilweise kommen auch Oolith-Lagen vor. Regressionszyklus.
    Teilweise charakteristisch im Gelände auch die rote, teils violettstichige Färbung, sowie mannigfaltige primäre (Wellenrippeln, flute- und groove marks) und sekundäre (ball & pillow-structures) Sedimentstrukturen, als Folge der Wechsellagerung von gröberen und feinerem Material.

Die drei letzten Members der Werfener-Schichten, Val-Badia-Member, Cencenighe-Member
und San-Lucano-Member,
sind oft erosiv abgetragen und im Gelände nicht immer vorhanden.

Die für die Werfener-Schichten bekannten Bivalven Claraia claraia treten im mittleren Seis-Member auf, während Claraia aurita, gekennzeichnet durch die fehlenden Querstrahlen, auf das obere Seis hinweißt.

Claraia clarai aus dem Seis-Member.

Peitlerkofel in den Südtiroler Dolomiten mit Übergang der Bellerophon-Formation zu Werfener-Formationen im Vordergrund und Schlern-Dolomit im Hintergrund.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Die Bellerophon-Formation

Die Bellerophon-Formation ist eine charakteristische Gesteinsformation in den Dolomiten. Sie wurde im Oberen Perm abgelagert und ist damit eine der ältesten Sedimentformationen, die in den Dolomiten gefunden werden können.

Die Bellerophon-Formation wird in zwei Einheiten unterteilt:

- die untere Fiamazza-Fazies, gekennzeichnet durch die Anwesenheit von dunklen Dolomiten in Wechsellagerung mit Gipslagen,
- die obere Badiota-Fazies, die aus Flachwasserkalke gebildet wird.


Aufschluss der Bellerophon-Formation in den Dolomiten.

Die charakteristische dunkle Färbung, sowie der Bitumengeruch, gehen auf den hohen organischen Anteil der Sedimente zurück, daraus folgt als Ablagerungsraum ein schlecht durchlüftetes Milieu. Daraus  lässt sich auch die Artenarmut, aber die große Individuenmenge der Sedimente erklären. Gefunden werden makroskopisch sichtbar Filamente (unbestimmte Bivalvenschalen), sowie Querschnitte der Rotalge Wermigorellas sp. (Oberes Perm bis Kreide) und
Permocalculus sp., ein Hinweis auf eine Ablagerungstiefe zwischen 5 bis 10 Meter.

Längsschnitt durch Permocalculus sp. Bildbreite 6mm, der Dünnschliff war durch die große Anzahl dieser Rotalge geprägt. Beim Gestein handelte es sich um einen in dm-m Bereich gebankten Packstone dolomitischer Zusammensetzung.

Die Bellerophon-Formation wurde nach der Schneckenart Bellerophon sp. benannt, deren Steinkerne relativ häufig (auch wenn mit Glück) gefunden werden können.

 

Montag, 16. Oktober 2017

Zitat: am oberen Waldessaume...

"Endlich war ich doch am oberen Waldessaume angelangt und vor mir lag im hellen Sonnenschein eine üppige grasige Halde. Alle Müdigkeit war jetzt vergessen, jeder Schritt brachte einen neuen Fund, von jeder Felswand blickten neue, nie gesehene Pflanzenformen entgegen."
Anton Kerner (1846): Die Cultur der Alpenpflanzen

Eriophorum scheuchzeri auf der Lazaunalpe, Ötztaler Alpen, 8. August 2006.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Der Bergsturz von Gand und der einzigartige Lebensraum der Eislöcher

"Unter diesen chaotischen Steinmassen tiefen sich da und dort schaurige Löcher und Höhlen, in welchen man zur heißen Sommerszeit eine fast unerträgliche Kälte, selbst unvergängliches Eis, und an dessen Rand, merkwürdig genug, die blühenden Alpenrosen und den wohlriechenden Speik findet."
Johann Jakob Staffler in 1846

Der felsige Untergrund rund um Bozen besteht aus den sogenannten Bozner Porphyr oder nach moderner Bezeichnung die Etschtaler Vulkanit-Gruppe/Südtiroler Vulkanitkomplex. Aus diesen Gestein besteht auch der Bergsturz vom Gandberg, der mehr als einen Quadratkilometer mit unzähligen großen und kleinen Porphyrblöcken bedeckt. 

Ansicht der Eppaner Gand, aus Wilhelm Pfaff (1933) "Die Eislöcher in Ueberetsch ihre Vegetationsverhältnisse und ihre Flora."

Das Alter des Bergsturzes ist unbekannt, er muss aber jünger als die letzte Eiszeit sein, da er auf gerundeten Geröllen und Schottern aufliegt, welche dort offenbar von der Etsch nach Abschmelzen der Gletscher abgelagert worden sind. Gerölle aus diesen Ablagerungen wurden für eine kleine Kapelle in der Nähe verwendet. Interessant ist hier auch eine angebliche Sage, die sich um eine durch den Bergsturz verschüttete Stadt dreht:

"Manche der eingangs angeführten Schriftsteller... nehmen jedoch an, daß die Eppaner Gand überhaupt nicht durch einen einzigen Bergsturz, sondern durch mehrere, in größeren Zeiträumen aufeinander-folgenden Bergstürze aufgeschüttet, daß insbesonders die Talfurche an ihrem Südende erst durch einen viel jüngeren, nach mündlicher Überliefern um das Jahr 1000 nach Christus erfolgten Bergsturz zugeschüttet worden sei und daß die Siedlung auf der Lambrech bis zu dieser Zeit bewohnt … seien. Allen diesen Annahmen fehlt es jedoch an einer sicheren tatsächlichen Grundlage."
Wilhelm Pfaff (1933) "Die Eislöcher in Ueberetsch ihre Vegetationsverhältnisse und ihre Flora."

Dieser Bergsturz heißt im Volksmund die Eppaner Gand  (Gand, ein altes langobardsches Wort, bedeutet so viel wie Felssturz oder Trümmerfeld). Die Bergsturzmasse liegen zwischen 515 bis 520 Meter ü.d.M. und ist durch eine langgezogene Mulde gekennzeichnet. Das Sturzfeld ist mit einem Wald aus Edelkastanien und Föhren bedeckt, große Teile sind auch unbewachsen. Das grobe Blockwerk führt auch zum Phänomen der Eislöcher. Luft strömt durch ein Spaltensystem zwischen den Porphyrblöcken der Geröllhalde, die auf den Fuße des Bergsturzes aufliegt, von oben nach unten und kühlt sich dabei ab. Die schwere kalte Luft bleibt als Kaltluftsee von etwa fünf Metern Höhe in der Mulde liegen. Die Temperatur kann bis zu 20° kühler sein als auf der nahen Kuppe des Lambrech-Hügels.

Abbruchnische in den Porphyrwänden des Gandberges, Senke und Lambrech-Hügel.

Geologische Karte mit anstehendem Festgestein, groben Bergsturzablagerungen und Luftströmungen im feineren Hangschutt/Geröllhalde bis zur Senke.


Infolge diesen kühlen Klimas gedeihen hier Pflanzen die sonst nur wesentlich höher, bis zu 1000 Metern, in alpinen Regionen zu finden sind. An der Basis der Senke gedeihen kälteresistente Pflanzen, am Rand dagegen wärmeliebende Pflanzen. Über 600 Pflanzenarten können hier auf engsten Raum gefunden werden, davon über 160 Flechtenarten. Man kann mit wenigen Schritten vom Submediterranean Buschwald, mit der Kastanie, zu einem Subalpin-montanen Fichtenwald zur subalpiner Zwergstrauchheide, mit der Alpenrose, zu einem Alpin-subalpinen Rasen, mit Alpen-Rispengras, Flechten und Moose, gelangen. 

Abbruchnische mit Geröllhalde und Erlengebüsch.

Fichtenwald auf groben Blockwerk, Schnee bleibt in der Mulde bevorzugt liegen, selbst in trockenen Wintern.

Alpenrose zwischen Felsblöcken.

Buchenwald auf stärker verwitterten Blockwerk.

Dienstag, 30. Mai 2017

Zeigerart: Primula hirsuta

Die Behaarte Primel (Primula hirsuta), auch Behaarte Schlüsselblume oder Rote Felsen-Primel, wächst gerne auf Gestein, wo sie in Felsspalten und Klüften wurzelt, aber auch in  Fels- und Geröllfluren des Hochgebirges. 

Primula hirsuta im Venntal,Tirol (30. Mai 2017).

Mittwoch, 17. Mai 2017

Einfache Wettervorhersage für unterwegs


„Die Sonne hat noch keinen Bauer aus seinem Hofe hinausgeschienen, aber´s Wasser schon manchen hinausgeschwemmt.“
Bauernweisheit

Sammlungen von Bauernregeln wurden schon um 1505 verfasst. Das „Wetterbüchlein“ des Astrologen Leonhard Reynmann spricht auch zum ersten Mal von „Pauernregeln“. Bauernregeln sind auch heute noch beliebt, sie umfassten genaue Beobachtungen des Wetters, aber auch astrologische Unsinn, Lebensweisheiten und Tierbeobachtungen. Wenn die Ochsen auf der linken Seite liegen, wird’s windig, lautet ein Spruch aus den Tierser Tal, Eisacktal, wobei wahrscheinlich den Ochsen das Wetter relativ egal ist. Der Berliner Meteorologe Horst Malberg wertete rund 400 Bauernregel und 200 Jahre Wettergeschehen aus. Tatsächlich haben die Aussagen über die kurzfristige Entwicklung des Wetters eine relativ hohe Trefferquote, bei generellen Aussagen über einige Wochen oder Monate liegt sie noch etwas über die Hälfte. Die Entwicklung des Wetters lässt sich innerhalb der nächsten 12 Stunden relativ gut abschätzen wenn man einige Zeichen am Himmel beachtet. Wolken sind dafür besonders geeignet, da sie entstehen wenn feuchte Luft vom Boden aufsteigt und mit zunehmender Höhe abkühlt.
"Der Abend sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot. Und des Morgens sprecht ihr: es wird heute Ungewitter sein, denn der Himmel ist rot und trübe, könnt ihr dann nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen?" Dieser Vers aus den Matthäusevangelium beruht auf der Tatsache, das die Luftfeuchtigkeit das Sonnenlicht streut. Am Morgen muss das Sonnenlicht eine längere Strecke durch die Atmosphäre zurücklegen, wenn die Luft feucht ist wird das Licht stärker gestreut und erscheint für uns rötlich. Durch die erhöhte Luftfeuchtigkeit steigt im Laufe des Tages auch die Wahrscheinlichkeit für Wolkenbildung und eine Wetterverschlechterung. Eine milchig-weiße oder gelbe Abendsonne ist Hinweis auf Wetterverschlechterung im Laufe der Nacht. Ähnliches gilt für den Spruch "Nebel, der sich steigend hält, bringt Regen, doch klar Wetter, wenn er fällt." Bei guten Wetter löst sich Luftfeuchtigkeit und der Nebel am Boden rasch auf, bei schlechten Wetter steigt er in die Höhe. Auch moderne Effekte können für Wetterprognose herangezogen werden. Sich länger haltende Kondensstreifen von Flugzeugen weißen auf eine hohe Luftfeuchtigkeit in der höheren Atmosphäre hin und damit auf eine mögliche Wetterverschlechterung.
In 1802 schlug der Londoner Apotheker und Naturforscher Luke Howard (1772-1864) ein Klassifikationssystem für Wolken vor, das noch heute gilt. Stratus sind niedrige, graue und unförmige Schichtwolken. Kumulus sind Haufenwolken. Große Haufenwolken, auch Blumenkohlwolken genannt,  können ein späteres Gewitter ankündigen, meist innerhalb der nächsten halben Stunde. Fein verteilte Wattewolken sind Vorboten eines Tiefdruckgebiets mit Regen. 

Gerard Manley Hopkins, Abbildung der verschiedenen Wolkentypen aus "Meteorology", Thomas Russell, 1906.

Kumulus- oder Haufenwolken die sich Vormittags bilden und Nachmittags auflösen weisen auf ein stabile Hoch (und damit gutes Wetter) hin. Cirrus- oder Federwolken sind Hinweis auf eine hohe Luftfeuchtigkeit in großer Höhe, eine Wetterverschlechterung und auch Regen sind möglich. 

Ein Unwetter zieht auf, Pfalzen, 24.06.2016. Tief gelegene Schichtwolken bringen Sprüh- und Nieselregen. Die abgegrenztere Kumulonimbus, deutlich höher als breit, steigen bis zu 13.000m hoch, die Unterseite ist dunkel und grau, aus ihnen fallen Regen und Hagel, die typische Gewitterwolke. Wärmegewitter im Sommer sind eher am Nachmittag, zwischen 15:00 bis 19:00, zu erwarten.

Ein strahlend blauer Himmel ist Hinweis auf trockene Luft, das Wetter sollte stabil bleiben. Eindringende feuchte Luft, oft an den hoch gelegenen Federwolken erkennbar, folgt 15 bis 30 Stunden später eine Wetterverschlechterung. Fein verteilte Haufenwolken sind ein Zeichen für eine sehr windige, turbulente obere Atmosphäre während einer Schönwetterphase. Eine Schlechtwetterzone folgt, meistens innerhalb eines oder einiger Tage.

Federwolken, Venntal, 21.06.2016

Zusammenfassend:
- Sonne leicht verschleiert - Cirrostratus - wenn dichter werdend Vorbote auf Schlechtwetter
- Sonne stark verschleiert - Cirrostratus - meist Hinweis auf Schlechtwetter und Niederschlag in einigen Studnen
- Wolkenschichten mit deutlichen Konturen - Stratokumulus - Wetter beständig
- Wolkenschichten diffus - Nimbostratus - Niederschlag
- Wolkenhaufen, punktförmig - Cirrokumulus - Unbeständiges Wetter
- Wolkenhaufen - Kumulus - Breiter als Hoch, bleiben sie flach dann Schönwetterwolken
- Wolkenhaufen - Kumulonimbus - In die Höhe steigend, Gewitterwolken

„Unser ganzes Leben und all unser Tun spielt sich ab im Wetter. In vielerlei Weise werden wir vom Wetter beeinflusst, geistig und körperlich, unmittelbar und mittelbar. Wetter ist bestimmend für unsere Pläne und Entschlüsse, das Wetter kann unsere Fahrten zur Freude, zur Qual und zur Gefahr werden lassen – es kann uns den Tod bringen.“
Henry Hoek „Alpine Wetterkunde“ (1931).

Sonntag, 7. Mai 2017

Samstag, 8. April 2017

Geo-Mythologie: Fossilien im Volksglauben - Donnerkeil und Krötenstein

Die wahre Natur von Fossilien als Reste ehemaliger Organismen ist seit ungefähr 200 Jahren bekannt, aber schon lange zuvor wurden Fossilien gefunden, allerdings im Licht von Mythen erklärt. Laut Volksglauben bringt der einschlagend Donner die „Donnersteine“ bzw. „Donnerkeile“ mit sich, bzw. während eines Gewitters fallen sie zu Boden. Die Steine werden als „ähnlich einen Spitzhammer, hinten platt und vorne mit mehreren Spitzen versehen“ und stets „mit Maggen (Dellen) behaftet“. Es handelte sich dabei zumeist um zufällig aufgefunden prähistorische Artefakte oder echte Fossilien. Diese Fundstücke waren äußerst begehrt, da sie angeblich von Blitzschlag schützten, der Volkskundler und Sagensammler Johannes Adolf Heyl berichtet in seine „Volkssagen aus Tirol" (1897) das „nur zwei Wälschnovener das Glück gehabt haben, einen Thunderstoan zu finden, der alte Tschandl und der alte Kundl. Beide bewahrten ihn wie ein Heiligtum auf.“
Die Belemniten (von griechischen belemnon= Wurfspieß) sind Innenschale ausgestorbener Weichtiere. Als Fossilien relativ häufig zu finden, wurden sie im Volksglauben auch als Donnerkeile gedeutet. Da sie während eines Sturms entstanden konnten sie auch, so das verbreitete Volkswissen,  gegen Stürme und Blitzschlag schützen - Gleiches wurde mit Gleichem bekämpft.
Nach anderen Deutungen wurden Belemniten von Alben (bösen Geistern) und Hexen auf Menschen abgeschossen, um einen Hexenschuss zu verursachen. Daher auch der Name „Albschoss“ oder „Hexepfeil“.
 
Belemniten - Schlachtfeld, Kalzit und Pyrit, Rußland.

Donnerkeil bzw. Donner- oder Blitzstein war aber auch die Bezeichnung für die fossilen Gehäuse von Seeigeln. „Ein Haus, in welchem ein Donnerkeil, d.i. eine sogenannte Streitaxt aus einem Hünengrabe, oder ein Grummelstein, ein versteinerter Seeigel aufbewahrt und bei einem Gewitter auf den Tisch gelegt wird, kann nicht vom Blitz getroffen werden“ (Strackerjan 1909). Seeigel wurden auch als Schlangeneier bezeichnet bzw. Krötensteine. Ihre Herkunft war teilweise rätselhaft, nach einer Legende konnten sie auch im Kopf einer lebenden Kröte gefunden werden: „Der Krötenstein ist im Haupt einer Kröte verborgen...Eine Kröte wird… in ein Kästlein gestoßen, in die Sonne, wo sie am härtesten und stärksten scheint, gestellt, daselbsten etliche Tage gelassen und mit Durst wohl abgemagert, bis sie den Stein als eine Last ihres Kopfes abzulegen und dadurch das Maul von sich zu geben gezwungen wird („Der Glückliche und Landfahrende Hausarzt“, 1712). 

Krötensteine, in Wahrheit fossile Seeigel, nicht bestimmter Jura-Seeigel und Schizaster sp.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Zitat: Gewisse vornehme, aber nicht uneigennützige Kreise...

"Gewisse vornehme, aber nicht uneigennützige Kreise haben mit Vorurteile und Engstirnigkeit vorgeworfen; zu diesen Angriffen brauche ich mich nicht zu äußern. Ein friedlicher Mensch, der auf diese Weise angegriffen wird, kann sich nicht wehren. Doch Sie, mein Freund, wissen, welch geringe Bedeutung ich meinen wissenschaftlichen Arbeiten in den Alpen beimesse. Ich habe das wirklich nicht nötig. Was die Gletscher und die Berge mir bedeuten, geht weit über wissenschaftliches Interesse hinaus. Für mich waren sie Quellen des Lebens und des Glücks. Sie haben mir majestätisches Bilder und Erinnerungen geschenkt, die niemlas verblassen werden. Sie haben mich mit allen Fasern den Segen einer vollkommenen menschlichen Natur spüren lassen, welche Geist, Seele und Körper mit einer Harmonie und Kraft zusammenwirken lässt...[]"
Physiker John Tyndall (1820-1893)

Oetzthaler Ferner, gesehen vom Gurgler See. Kolorierter Stahlstich von Friedrich Würthle (1852/55).

Freitag, 6. Januar 2017

Almen, Klimawandel und Gletschervorstöße

Ein sich wiederholendes Thema in Mythen rund um Gletscher ist das Eis als Strafe für die Verschwendung von natürlichen Reichtum in einem, heute vergangenen, goldenen Zeitalter.

Laut Sage soll sich wo heute die Pasterze befindet einst eine herrliche Alm ausgebreitet haben. Als aber die reichen Einheimischen einen armen Bettler verjagten, rückte das Eis heran um die Alm und die herzlosen Menschen unter sich zu begraben. Ähnliche Sagen gibt es vom Vernagt Ferner (Ötztaler Alpen), Marmolata (Dolomiten), Mer de Glace (Mont Blanc), Lötschenalm (Schweizer Wallis), Blüemlisalp (die übergossene Alm, Schweizer Thun) und Dachstein-Gebirge. Der Übergossene Alm/Blümelisalp-Sagentyp ist bis um 1700 nachweisbar. Vielleicht hat dieser Sagentyp seinen Ursprung in tatsächlichen klimatischen Begebenheiten. Im Laufe des 13. zum 15. Jahrhunderts erlebte die Almwirtschaft in den Alpen eine Hochblüte wie zahlreiche Hochalmen in höheren Gebirgsregionen bezeugen. Im 16. Jahrhundert kam es aber zu einer merklichen Klimaverschlechterung und Gletschervorstöße die sich auch auf die Almwirtschaft auswirkten. In klimatisch ungünstigen Zeiten und wenn Gletscher wuchsen kam es zu späteren Auftriebs- und frühere Abtriebszeiten und oftmals mußte ein Kuhhimmel in ein Schafgebirge umgewandelt werden oder auch ganz aufgegeben werden, weil das Vieh einfach nicht mehr genügend Futter finden konnte. In einer zeitgenössischen Chronik heißt es "Und ein Ferner, der sich weit vorgeschoben, hat sie so sehr verdorben, dass sie jetzt nur mit Galtvieh befahren wird."
 

"Die Bewohner des Hasli-Tals im Kanton Bern klagen, dass die immer größer werdenden Eismassen sich ganze Täler bemächtigt und fruchtbares Land unter sich begraben haben […] Die Grindelwalder klagen, dass eines ihrer kleinen Täler, das heute unter Eis verschüttet liegt, früher zugänglich war und man es passierte, um die Bäder von Ficher im Wallis aufzusuchen. Die Leute von Lauterbrunnen versichern, dass die Hänge ihrer Berge früher herrliche Weiden waren; […] heute jedoch sind alle diese gebiete unter Eisschichten begraben. Die Bewohner des Silben-Tals sagen, dass die Eismassen vom Gelten und Roestli nach und nach das fruchtbare Land vereinnahmen.“ Gottlieb Sigmund Grüner um 1760.

"Diese ausgedehnten Eisflächen sind weit davon entfernt zu schrumpfen, sondern werden immer größer und umfangreicher; sie schlucken alles angrenzende und tiefer liegende Gelände; man erkennt das an den Wipfeln der großen Bäume und sogar an den Kirchturmspitzen, die aus den Eismassen herausragen und die nur in manchen heißen Sommern sichtbar werden, weil dann das Eis um ein paar Meter abschmilzt; an manchen Stellen ist die Eismasse jedoch etwas hundert Klafter dick und seit Menschengedenken nicht geschmolzen. Es liegt daher nahe, dass die Wälder und der Kirchturm, die in dickem und ewigem Wis eingeschlossen sind, auf Boden stehen, der vor langer Zeit entdeckt und besiedelt wurde, als es nicht so kalt war wie heute."
Buffon in seiner "Histoire Naturelle" (1799)


Möglicherweiße beruhen die Sagen auf noch ältere Beobachtungen und Klimaschwankungen. Mittelsteinzeitliche Jäger sind in den Hohen Tauern um 9.000-5.000 v.Chr. nachweisbar. Um 5.500 bis 2.500 BP sind Brandrodungen nachweißbar, mit denen Wald durch Wiesen ersetzt wurde, ob bereits für Beweidung ist unklar. Ab dem 4. Jahrtausend ist Almwirtschaft über der Baumgrenze belegbar, in der Form von Sommerweide für Schafe und Ziegen. Der Höchstand der Waldgrenze wurde im Atlantikum (8.000-5.000 BP) auf 2.300-2.500m SH erreicht. Natürliche, klimabedingte Schwankungen betrugen 150-200m, erst der Mensch drückte die Waldgrenze um mehrere hunderte von Metern nach unten. Im Klimaoptimum um 1180-1300 war die Baum- bzw. Anbaugrenze in den europäischen Hochgebirge noch um 100-200m höher als heute. Aussagen in Sagen wie „I denk die Villander Alp neunmal Wies und neunmal Wald“ (aus einer Sage vom Villander „Almkoat“, einem Wesen halb Mensch-halb Tier) könnten sich auf die Nutzungsänderungen oder die Auflassung von Almen, Mensch- und Klimabedingt, berufen. Aufgelassene Almen wurden rasch von Wald zurückerobert, sobald das Klima es zuließ kam der Mensch zurück der den gewachsenen Wald schlägerte.

Auch Almenbezeichnungen in den Alpen scheinen sich auf die alten Zeiten, als Hochalmen noch klmatisch bedingt weiter verbreitet waren, zu beziehen. Der Name Pasterze bezieht sich zum Beispiel auf Weideland. Die Bezeichnung ist romanischen Ursprungs, wobei nicht klar ist ob sich der Begriff direkt auf das Gletschergebiet oder nah gelegenes Weideland bezog. 

Auch in den Dolomiten scheinen ähnliche Sagen von einer Veränderung des Klimas inspiriert worden zu sein, vielleicht von einer niederschlagsreichen Phase zu einer eher trockenen Zeit. Einst kam ein Fremder in das Grödental mit seiner Herde auf der Suche nach noch freien Weideplätzen Er wurde von den  Einwohnern in das Val dla Salieres (Wasserrinnental) geschickt – ein ödes Steinkar am Fuße der Geisler. Kurz bevor seine Herde verdurstete tauchte eine junge Gana auf. Ganas und Salvans sind ladinische Sagenfiguren die dem Menschen meist gut gesinnt sind. Sie haben besondere Naturkräfte und personifizieren diese auch. Einst wurden damit wohl die von den Siedlern in die Berge verdrängten Ureinwohner bezeichnet, die von den Bergen und ihren Gesetzmäßigkeiten  noch mehr wussten als die neuen Generationen der rodenden Bauern. Sie zeigte ihn einen Weg zu einem geheimen Felsentor, das sich öffnete und ein klarer Wasserbach trat hervor. Das Wasser floss über das Steinkar und bald wuchs Gras und eine reiche Alm entstand. Eines Tages aber jagte der hochnäßig gewordene Bauer die Gana fort… die Gana floh, aber am Felsen angekommen drehte sie sich um und verwünschte die Alm.
Die Quelle versiegte und die Alm verödete und heute sind am Fuß der Geisler nur mehr ausgetrocknete Steinkare anzutreffen. Wo einst die Herden prächtig gediehen, ergießen sich aus dem Val Ega und Val dla Salieres heute unaufhaltsam Schuttströme auf die einstigen Weiden von Cisles. Die Steinhalde wird sich stetig ausbreiten und schließlich auch die fruchtbaren Cisles und Mastlé Almen überlahnen und bis weit hinunter ins Tal alles Leben ersticken. 


Neuere Forschungen zeigen ein wesentlich komplizierteres Bild, zumindest in der Neuzeit. In klimatisch ungünstigen Phasen wurde zumeist die Nutzung der Hochgebirgsregionen geändert, nicht völlig aufgegeben. Wenn Not auch in Tallagen herrschte war eine völlige Aufgabe kaum möglich, eher wurde versucht Dauersiedlungen in Almen umzuwandeln oder Almen in Hochweiden für Kleinvieh oder auch nur Mähwiesen bzw. Almmatten. Die Bewirtschaftung der Almmatten ermöglichte es so zumindest das Vieh im Tal mit zusätzlicher und dringend benötigter Nahrung zu versorgen.