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Samstag, 8. April 2017

Geo-Mythologie: Fossilien im Volksglauben - Donnerkeil und Krötenstein

Die wahre Natur von Fossilien als Reste ehemaliger Organismen ist seit ungefähr 200 Jahren bekannt, aber schon lange zuvor wurden Fossilien gefunden, allerdings im Licht von Mythen erklärt. Laut Volksglauben bringt der einschlagend Donner die „Donnersteine“ bzw. „Donnerkeile“ mit sich, bzw. während eines Gewitters fallen sie zu Boden. Die Steine werden als „ähnlich einen Spitzhammer, hinten platt und vorne mit mehreren Spitzen versehen“ und stets „mit Maggen (Dellen) behaftet“. Es handelte sich dabei zumeist um zufällig aufgefunden prähistorische Artefakte oder echte Fossilien. Diese Fundstücke waren äußerst begehrt, da sie angeblich von Blitzschlag schützten, der Volkskundler und Sagensammler Johannes Adolf Heyl berichtet in seine „Volkssagen aus Tirol" (1897) das „nur zwei Wälschnovener das Glück gehabt haben, einen Thunderstoan zu finden, der alte Tschandl und der alte Kundl. Beide bewahrten ihn wie ein Heiligtum auf.“
Die Belemniten (von griechischen belemnon= Wurfspieß) sind Innenschale ausgestorbener Weichtiere. Als Fossilien relativ häufig zu finden, wurden sie im Volksglauben auch als Donnerkeile gedeutet. Da sie während eines Sturms entstanden konnten sie auch, so das verbreitete Volkswissen,  gegen Stürme und Blitzschlag schützen - Gleiches wurde mit Gleichem bekämpft.
Nach anderen Deutungen wurden Belemniten von Alben (bösen Geistern) und Hexen auf Menschen abgeschossen, um einen Hexenschuss zu verursachen. Daher auch der Name „Albschoss“ oder „Hexepfeil“.
 
Abb.1. Belemniten - Schlachtfeld, Kalzit und Pyrit, Rußland.

Donnerkeil bzw. Donner- oder Blitzstein war aber auch die Bezeichnung für die fossilen Gehäuse von Seeigeln. „Ein Haus, in welchem ein Donnerkeil, d.i. eine sogenannte Streitaxt aus einem Hünengrabe, oder ein Grummelstein, ein versteinerter Seeigel aufbewahrt und bei einem Gewitter auf den Tisch gelegt wird, kann nicht vom Blitz getroffen werden“ (Strackerjan 1909). Seeigel wurden auch als Schlangeneier bezeichnet bzw. Krötensteine. Ihre Herkunft war teilweise rätselhaft, nach einer Legende konnten sie auch im Kopf einer lebenden Kröte gefunden werden: „Der Krötenstein ist im Haupt einer Kröte verborgen...Eine Kröte wird… in ein Kästlein gestoßen, in die Sonne, wo sie am härtesten und stärksten scheint, gestellt, daselbsten etliche Tage gelassen und mit Durst wohl abgemagert, bis sie den Stein als eine Last ihres Kopfes abzulegen und dadurch das Maul von sich zu geben gezwungen wird („Der Glückliche und Landfahrende Hausarzt“, 1712). 


Abb.2. Krötensteine, in Wahrheit fossile Seeigel, nicht bestimmter Jura-Seeigel und Schizaster sp.