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Sonntag, 5. Juli 2015

Das Hochgebirge - Die Grenzen der Natur und die Grenzen des Menschen

Das Hochgebirge - die Grenzen der Natur und die Grenzen des Menschen

Nichts ist für euch hier selbstverständlich, nichts ohne Kampf und Opfer zu haben, am wenigsten, dass ich euch am Leben lasse. Wehrt euch also mit Händen und Füßen, ringt um euer Leben mit all euren eingerosteten Sinnen, mit heißen Herzen und klugen Hirn; dann erntet ihr auf dem Felde des mitleidlosen Todes die süße Frucht der Freude am leben.“ 
Bergpionier Eugen Guido Lammer

Montag, 22. Juni 2015

Zeigerart: Letharia

Die Flechtenart Letharia vulpina oder Wolfsflechte wächst auf Nadelbäume der montanen Stufe, bevorzugt auf Lärchenrinde.
Letharia vulpina auf Lärche, 1.900m SH, Venntal, Tirol (12. Juni 2015).

Sonntag, 31. Mai 2015

Zitat: Die Botanik...

Die Botanik ist keine sesshafte und träge Wissenschaft, bei der man in der Ruhe  und im Halddunkel seines Arbeitszimmer vorankommt. Sie verlangt, dass man Berge überquert und durch Wälder streift, dass man durch zerklüftete Felsen klettert und sich an den Rand von Abgründen begibt.”
Fontenelle “Lobschrift auf Monsieur de Tournefort” (1709)
 
Geografie der äquinoktialen Pflanzen auf einer von Humboldt erstellten Tafel der Anden mit Nachbarländern, basierend auf den Beobachtungen und essungen vor Ort von 10 Grad nördliche Breite bis 10 Grad südliche Breite in den Jahren 1799,1800, 1801, 1802 und 1803.

Freitag, 22. Mai 2015

Zeigerart: Dibaeis und Baeomyces

Die Flechtenart Dibaeis baeomyces wächst auf mageren und sandigen Böden entlang von Böschungen, weit verbreitet außer in Kalkgebieten, selten.
Die ähnliche Flechtenart Baeomyces rufus, mit kleineren, braun-gefärbten Apothecien und grünem Lager, wächst auf sauren Erdboden, feuchten oder nicht zu exponierten Felsen und Steinen.
 
Baeomyces rufus oder Braune Köpfchenflechte auf Phyllit, ost exponierter Fels auf 1.360m SH, Haidenberg, Südtirol (22. Mai 2015).
 
Dibaeis baeomyces oder Rosa Köpfchenflechte auf sandig-lehmigen Substrat, nord-ost exponierter Abhang auf 1.380m SH, Haidenberg, Südtirol (22. Mai 2015).

Dienstag, 19. Mai 2015

Heuschreckenplagen im Alpenraum

Heuschreckenplagen sind ein furchterregendes Naturereignis, ein Schwarm kann ganze Landstriche kahlfressen, Ernten vernichten und Hungersnöte verursachen. Chroniken aus dem Mittelalter und der frühe Neuzeit berichten von solchen Katastrophen auch in Mitteleuropa.

…die heyschreckhen kamen aus Tartarej durch Vungarn vnnd durch Österreich vnnd durch alle deutsche Lanndt, vnnd kamen geen Bozn an Sannt Bartholameentag, vnnd flugen vierzehen tag durch, vnnd hueben an zefliegen vmb Terz Zeit vnnd flugen auf Veir Zeit vnnd liessen sich da nider vnnd wuesten ds veld vberal an hew vnnd an graß vnnd korn wie es genannt was vnnd nicht an Wein; vnnd flog etwann dickh, das man die Sunen kaum auf die erde brueffte, wie haiß es was, vnnd zugen bey dem wasser ab hunz in das mr; dass geschach Anno ain tausennt drew hundert vnnd achtunddreissig Jar zu ausgennden augst.
Auszug aus der Bozner Chronik über einen Heuschreckenschwarm der im August 1338 über Mitteleuropa, sowie das Inntal und Südtirol, hereinbrach - erst ein früher Schneeeinbruch Mitte Oktober hielt die Schwärme auf. Heuschreckenplagen in Europa wiederholten sich in 1339-1340, in 1340 wurden die Heuschrecken schließlich durch eine Regenperiode im August vertrieben.

Auch  im September 1340 soll über Wochen hinweg ein Schwarm durch das Land gezogen sein, die Heuschrecken “zerkäuten auch den Frauen ihre Röcke und Mäntel.” Man versuchte die Heuschrecken zu erschlagen, mit mäßigen Erfolg. In der Verzweiflung griff man zu einem allerletzten Mittel – den Kirchenbann der Insekten.

Die Geschworenen des Gerichtes, die um ihr Urteil gefragt wurden, erkannten zu recht, daß diese Thiere dem Land und den Leuten schädlich und verderblich seien, und daß der Pfarrer auf der Kanzel bei brennenden Lichtern sie verbannen soll.

Unglücklicherweise kehrten die Heuschrecken im folgenden Jahr wieder.

Abb.1. Darstellung einer Heuschrecken auf einem zeitgenössischen Bildstock.

Heuschreckenplagen im Tiroler Raum:

  • 1338-41: Heuschreckenplage im Inntal und Südtirol.
  • 1346: Heuschreckenplage in Trient.
  • 1477: Heuschrecken verwüsten das Etschland.
  • 1547: Um der Heuschreckenplage Herr zu werden werden neben Bittprozessionen auch Leute zwangsverpflichtet Heuschrecken zu erschlagen und in Gräben zu ertränken oder zu vergraben, trotzdem haben „Sie haben einen mächtig großen Schaden gethan und alles Getreide auf dem Felde bis auf den Boden abgefressen.“
  • 1612: Heißer Sommer, Tirol wird von Heuschrecken heimgesucht.
  • 1693: Heuschrecken suchen Innsbruck heim.“Am 28. August 1693 Nachmittag um 2Uhr bis 5 Uhr sind so schrecklich viel Heuschrecken geflogen durch das ganze Land herauf, als wenn es schneien thät. Dies hat 5 Tage gedauert. Sie sind aus Ungarn heraufgekommen.
  • 1749: Am 12. September 1749 werden öffentliche Andachten angeordnet, um das sich nähernde Übel von Brixen fernzuhalten.
  • 1869: Heuschreckenzüge im Juli und Anfang August.

Literatur:

NUSSBAUMER, J. & RÜTHEMANN, G. (2000): Vergessene Zeiten in Tirol – Lesebuch zur Hungergeschichte einer europäischen Region. Band 11 Geschichte & Ökonomie, Studienverlag: 175

Zeigerart: Peltigera

Die Flechtenart Peltigera leucophlebia wächst auf Silikat- und Kalkgestein, auch auf Erde an frischen Böschungen und bemooste Abhängen (schattig und feucht bevorzugt)  in höheren Lagen. 

Apfelflechte bzw. Peltigera auf bemoosten Waldboden, nordwestlich exponierter Abhang auf 1.800m SH, Tesselberg, Südtirol (17. Mai 2015).

Samstag, 9. Mai 2015

Die Vegetationsstufen in den Alpen

Bereits der große Forscher Friedrich Alexander Freiherr von Humboldt (1769-1859) bemerkte das mit zunehmender Höhe sich im Gebirge die Landschaft wie auch die Vegetation verändert. Auf Laubwäldern folgen Nadelwälder, schließlich werden hochwüchsige Pflanzen von Arten mit niedrigen Wuchs ersetzt.

 
Profil durch die Alpen, aus dem Berghaus-Atlas (1845-1862), als Beilage zu Humboldts Lebenswerk "Kosmos" gedacht.

Die Vegetationsstufen in den Alpen (Voralpen 100-1.500m, Mittelalpen 1.500-2.500m, Hochalpen ab 2.500m Seehöhe):
  • Hügelstufe / Kolline Stufe: Vom Tiefland bis zur oberen Grenze des Weinbaus, um die 500m Seehöhe am nördlichen Alpenrand zu 1.000m in den Südalpen. Die Durchschnittstemperatur beträgt 8-12°C mit einer Wachstumsperiode von 250 Tage im Jahr. Laubmischwälder und Grünland dominieren.
  • Bergstufe / Montane Stufe: Bis zu einer Seehöhe von 1.300-1.800m Seehöhe. Die Durchschnittstemperatur beträgt 4-8°C mit einer verkürzten Wachstumsperiode von 200 Tage im Jahr. Laubwälder mit Buche, Mischwälder mit Tanne und Fichte kommen hinzu.
  • Subalpine Stufe: Bis zu einer Seehöhe von 1.900-2.400m Seehöhe. Die Durchschnittstemperatur beträgt +1 zu -2°C mit einer verkürzten Wachstumsperiode von 100 bis 200 Tage im Jahr. Frost-tolerante Arte, wie Fichte, Lärche und Zirbe dominieren. Bei 2.000 liegt generell die Waldgrenze.
  • Alpine Stufe: Bis zu einer Seehöhe von 2.400-3.200m Seehöhe. Die Wachstumsperiode beträgt maximal 100 Tage, Durchschnittstemperatur beträgt -2,1 bis -6,2°C, bei 2.500 liegt generell die Schneegrenze.
  • Schneestufe / Nivale Stufe: Ab einer Seehöhe von 3.000m. Der Schnee bleibt großflächig und ganzjährig liegen.Die starke Erosion durch tägliche Temperaturschwankungen erschwert die Bodenbildung,Pflanzen kommen nur noch in Nischen, oder an Felswänden oder auf Graten vor.